Die Geschichte von Ara(bella):

1. Das erste mal

Im Dezember 95 war es endlich geschafft: die Wohnung ist komplett renoviert und eingerichtet, jetzt fehlt nur noch das geeignete Haustier. Ich durchforstete alle Zoohandlungen in unserer Gegend und kam schließlich zu einem kleinen Laden der auf dem Weg zu meiner Arbeitsstätte lag. Ich sah mich um und bemerkte plötzlich seltsame Geräusche aus dem Hinterzimmer. Als ich um die Ecke lugte sah ich in einem kleinen Käfig in der Ecke einen ziemlich großen, grünen Vogel der mich genauso interessiert  zu mustern schien wie ich ihn. Ich ging näher rann und er rief plötzlich "Hallo Jocku", und hielt mir seinen Nacken hin. Natürlich wusste ich damals nicht was er wollte und steckte mehr intuitiv meinen Finger durchs Gitter um ihn zu kraulen. Er genoß das sichtlich und hielt seinen Kopf unbeweglich. Doch dann packte er doch plötzlich meinen Finger mit seinen "riesigen" Schnabel. Mir blieb fast das Herz stehen und sah mich schon in der Unfallklinik mit meinem rechten Zeigefinger in der Plastiktüte neben mir. Aber er fasste den Finger nur ganz sanft und zärtlich als ob er sich für das Kraulen bedanken wollte. Ich erkundigte mich sofort bei der Verkäuferin über den Vogel. Es ist eine Doppelgelbkopfamazone - Handaufzucht und kostet 2300,- DM. Mir fiel sofort das Herz in die Hose als ich den Preis hörte. Mein Konto war durch den Umzug schon schwer belastet und ich konnte unmöglich soviel Geld für ein Haustier ausgeben. Mit hängendem Kopf verließ ich das Geschäft.

2. Der Papagei muß her

Nach einer schlaflosen Nacht fuhr ich am nächsten Tag nach der Arbeit wieder zu dem Geschäft. Der Vogel saß noch genauso in seinen Käfig und wollte wieder gekrault werden. Nach einer Stunde schämte ich mich langsam solange in dem Laden herumzulungern und fuhr wieder nachhause. Ich zermarterte mir das Hirn wie ich es anstellen konnte den Papagei doch noch zu kaufen - da fiel mir mein Sparbuch ein. Eigentlich wollte ich mit dem Geld mal wieder so richtig Urlaub machen aber es würde genau reichen. Ausserdem spielten doch ein oder zwei Jahre länger kein Urlaub auch keine Rolle. Die Bank hatte zum Glück noch geöffnet und ich leerte mein gesamtes Sparbuch. Zum Laden würde ich es heute nicht mehr schaffen, also stand mir noch mal eine Nacht mit Vorfreude aber auch Zweifel bevor. Ich reichte am nächsten Tag Urlaub für den Rest der Woche ein und ging 2 Stunden früher. Am Laden angekommen blätterte ich sofort das Geld hin und nahm Ara, das sagte er auch ständig, sofort in dem kleinen Käfig mit. Die Verkäuferin gab mir noch eine Schachtel Futter für ihn mit und wünschte mir alles Gute.

3. Der Anfang einer wunderbaren Freundschaft

Zuhause angekommen bekam Ara erst mal frisches Wasser und eine Riesenportion Futter über die er sich gleich gierig hermachte während ich in dem Buch meine ersten Lektionen in Sachen Papageienhaltung lernte. Darin war zu lesen das man den Vogel erst nach mindestens einer Woche aus den Käfig lassen sollte aber als ich nach einer kurzen Abwesenheit wieder ins Zimmer kam hatte Ara diese Frist um 7 Tage verkürzt. Er hatte den Käfigriegel zurückgeschoben, die Tür geöffnet und erkundete gerade meine neue Wohnzimmereinrichtung. Jetzt hatte ich das Problem wie ich ihn wieder zurück in sein Heim bringen sollte? Er kletterte eine Stunde auf den Möbeln herum und untersuchte alles ganz genau dann kam er auf meine Schulter geflogen und nesselte mit dem Schnabel in meinen Haaren herum. Er stieg ohne Probleme auf meinen Finger und ließ sich in den Käfig setzten. Kaum war er drinnen hängte er sich kopfüber an die Decke, verrenkte seinen Kopf auf die unmöglichste Weise und schrie ununterbrochen aber nicht unmelodisch. Das ganze dauerte 5 Minuten lang und war eine seiner Lieblingsbeschäftigungen solange er ohne Partner war.

4. Nicht mehr allein

Nach einem Jahr ergab sich für mich ein beruflicher und privater Wechsel - ich musste abends öfter arbeiten und es war dann niemand zuhause der sich um Ara kümmern konnte. Eine glückliche Fügung ergab das ein Bekannter einer Bekannten eine Venezuela-Amazone loshaben wollte da sein Kind Asthma hatte. Er brachte den Vogel vorbei und die beiden saßen erst mal in zwei getrennten Käfigen und gifteten sich an. Sobald sich einer bewegte hackte der andere sofort in seine Richtung. Ich vereinbarte mit dem Besitzer von Bazi das ich den Vogel erst mal für ein paar Wochen zur Probe übernehmen würde. Nach zwei Wochen beruhigte sich die Lage etwas - allerdings durfte keiner der beiden dem anderen zu nahe kommen. Ich wartete noch 3 Wochen und startete dann den letzten Versuch die beiden aneinander zu gewöhnen. Ich steckte sie beide in einen größeren Käfig, den ich inzwischen gebastelt hatte und siehe da, die beiden sassen im selben Moment friedlich nebeneinander. Am nächsten Tag putzten sie sich sogar gegenseitig - nur den Futternäpfen gab es noch Streit.

5. Letzte Nachrichten

Ara und Bazi wurden immer dickere Freunde. Im Juni 1999 konnte ich die ersten Kopulationsversuche beobachten. Anläßlich des Todes von Lumpers wurden beide im Dezember 1999 endoskopiert und festgestellt das sie ein "echtes Paar" sind. Arabella, wie sie von nun an heißt, wurde wegen einer leichten Lebervergrößerung auf Diät gesetzt - ab sofort bekam sie keine Sonnenblumenkörner mehr. Ab Februar 2000 suchte sie mehrmals am Tag den Nistkasten auf und scharrte in der Einstreu. Die beiden kopulierten auch mehrmals täglich und Bazi fütterte sie ab und zu. Im März 2000 zogen beide in ihre neue, größere Voliere um.

Fortsetzung folgt sobald neue Ereignisse eintreten

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