1. Ein neues Zuhause
Im November 1996 ergaben sich für mich ein beruflicher und privater
Wechsel: Ich musste öfter abends arbeiten und hatte niemanden der
sich in der Zeit mit Ara(bella) beschäftigen konnte. Da hörte
ich zufällig von einer Bekannten das ein Arbeitskollege eine Amazone
abgeben möchte. Sobald es ging sah ich mir den Vogel, eine Venezuela
- Amazone an. Der Besitzer hatte sie für seine Mutter gekauft, sie
kommt aber nicht so gut mit ihr klar und ausserdem hat sein Sohn Asthma
und kann Omi nicht mehr besuchen. Die Haltung war, abgesehen davon das
er ein Einzelvogel war, korrekt. Bazi, so heißt der Vogel, hatte
eine sehr schön eingerichtete Zimmerecke mit Klettertau und Spielzeug
und musste nur zum fressen und schlafen in seinen, in Augenhöhe aufgehängten
Käfig. Annäherungen duldete er nicht, war aber auch nicht verstört
oder aggressiv. Wenn er durch ein "Leckerle" gelockt wurde ging er auch
mal kurz auf den Unterarm. Ein Blick in die Cites-Bescheinigung bestätigte
meine Vermutung: der Vogel war ein Wildfang aus Surinam. Seine Flügel
waren vom Importeur gestutzt so das er nur herumklettern konnte. Der Vorbesitzer
wollte sich Bazi's zukünftiges Heim ansehen und ihn dann zur Probe
vorbei bringen. Das erste Treffen mit Ara(bella) lief alles andere als
ermutigend ab. Die beiden hackten durch die Gitterstäbe ihrer Käfige
aufeinander ein und waren gar nicht mehr zu beruhigen. Nach zwei Wochen
waren sie zumindest soweit das nicht bei jeder Bewegung des einen ein riesen
Tumult bei dem anderen ausgelöst wurde. Inzwischen baute ich fleißig
an einem großen Käfig für zwei, in den ich sie nach weiteren
3 Wochen zum letzten Versuch aufeinander losließ. Das unerwartete
geschah: die beiden saßen nebeneinander - keine rede mehr von Streit.
Nur wenn einer dem anderen am Fressnapf zu nahe kam gab es mal kurz einen
Schnabelhieb. Nach ein paar weiteren Wochen kam der Vorbesitzer vorbei
um nach seinem Vogel zu sehen und war ganz erstaunt als die beiden einträchtig
nebeneinander auf der Stange saßen. Er kam auch später noch
desöfteren und erkundigte sich nach dem Wohlergehen seines ehemaligen
Vogels.
2. Ich kann wieder Fliegen
Die Lieblingsbeschäftigung von Bazi war das Flattern. Dabei setzte
er sich auf den Käfig, krallte sich fest und ruderte mit den Flügeln
so schnell er konnte - aber zum abheben fehlten ihm ungefähr 5 Federn
auf jeder Seite die ihm ja leider zur Hälfte abgeschnitten worden
waren. Nach einem Jahr fand ich die erste "gekappte" Feder am Boden aber
es dauerte noch 6 Monate bis alle durch die Mauser ersetzt wurden. Er konnte
sich jetzt beim Flattern kaum mehr festhalten und verteilte durch den Luftzug
die gesamte Bodeneinsteu im Zimmer. Eines Tages konnte er sich nicht mehr
halten und flog los. Es machte ihm sichtlich vergnügen und er kreiste
von nun an jeden abend ein paar mal um die Wohnzimmerlampe. Was bei Ara(bella)
nur plumper Flatterflug ohne gezielte Landung war, ist für ihn von
nun an eine Leichtigkeit.
3. Pubertät
Bazi ist der leiseste unserer Vögel. Um so mehr verwunderte es
mich als im Februar 1999 ein schriller, sehr lautstarker Schrei aus dem
Wohnzimmer klang. Ich sah sofort nach und überraschte Bazi wie er
mit aufgestellten Schwanzfedern und ganz kleinen Pupillen auf der Voliere
auf und ab stolzierte. Dabei hackte er zwischendurch immer nach imaginären
Gegnern und ließ einen eigenartigen Gurrlaut hören der immer
schneller wurde und dann in einem infertilen Schrei endete. Lumpers, der
im Nachbarkäfig saß nahm das zum Anlaß so schnell wie
möglich zur obersten Sprosse seiner Behausung zu klettern und mit
ihm Streit anzufangen. Bazi nahm die Herausforderung zum Scheingefecht
gerne an und verteidigte seine Vorherrschaft mit energischen Schnabelhieben
die aber niemals richtig ernst gemeint waren. Mir war klar - Bazi wird
erwachsen und ich muß mich auf einen neuen Lautstärkepegel in
der Wohnung einstellen. Es kam aber dann doch nicht so schlimm denn er
ließ seinen "Urschrei" zum Glück nur sehr selten hören.
Ab diesen Zeitpunkt interessierte er sich sehr für Ara(bella) und
fing an sie mit Genuß zu putzen was sie sich gerne gefallen ließ
und auch erwiderte. Ihm störte dabei nicht das sie beim putzen seiner
Stirn immer wieder ein paar Federn ausrupfte. Ein kurzer Schrei und schon
hielt er ihr wieder den Kopf hin. Eines Abends hörte ich merkwürdige
Geräusche im Käfig und sah Bazi wie er unbeholfen auf den Rücken
von Ara(bella) klettern wollte. Sie war davon gar nicht begeistert und
versuchte ihm zu entkommen. Er gab schließlich auf und versuchte
es bis Januar 2000 nicht mehr.
Fortsetzung folgt
Klicken sie auf die Bilder um sie in voller Größe zu sehen: